Ruhige Tage in Selimiye

29.01.2010:

Es gibt momentan von unserem Winterplatz Selimiye nicht viel zu erzählen, deshalb wird der erste Logbucheintrag im neuen Jahr relativ kurz ausfallen: In den letzten Tagen habe ich diese neue Seite aufgebaut, uns aufgrunddessen auch eine neue mailadresse gegeben, alles passiert durch einen winzig kleinen Fehler bzw. einen – falschen – Mouseklick. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich – es bringt auf jeden Fall jede Menge unbezahlte Arbeitsstunden ein, die aber wider Erwarten Spass gemacht haben.

Abgesehen davon haben wir uns vor einiger Zeit nun zum 4. Mal verholt, um einen komfortableren und, wie wir meinen, auch sichereren Liegeplatz zu haben. An diesem neuen Platz fühlen wir uns auf jeden Fall bisher am wohlsten.

Kennengelernt haben wir einige Residenten hier, u. a. deutsch-türkische Ehepaare, sehr sympathische Menschen überdies, die im Rentenalter hierhergezogen sind. Das „Wie“ versetzt uns in absolutes Staunen. Da werden Eigentumswohnungen in Deutschland verkauft, eine wird behalten zur Sicherheit, ein Grundstück hier gekauft, schlappe Euro 180.000,- , allerdings 4500 qm Grund, völlig unerschlossen, das unzweifelhaft wunderschöne riesengrosse Haus darauf dürfte auch hier in der Türkei ein Mehrfaches des Grundstückspreises gekostet haben, die komplette Wohnungseinrichtung aus Deutschland per Mega-Container für Euro 18.000,- hierhertransportiert inklusive einer niegelnagelneuen Super-Markenküche (wobei NEUE Möbel nicht eingeführt werden dürfen!); um den Zoll davon abzuhalten, den Container auszupacken, gehen noch einmal schlappe Euro 2500,- an Bestechungsgeldern drauf, aber nicht beim Zoll in Istanbul, dem naheliegendsten bei der Einreise, sondern in Ankara, weil der Fahrer des Containerzugs dort jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, der… und dann erst geht es runter zur Küste.

Wir waren bei diesem sehr sympathischen Ehepaar, sie Deutsche, er Türke, seit 26 Jahren verheiratet und in Deutschland berufstätig gewesen in ganz normalen Berufen, eingeladen und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus: Es gibt in diesem Haus nichts, was es nicht gibt – und alles, aber auch gar alles, aus Deutschland eingeführt – s. o.  Ich wusste gar nicht, dass es soviele verschiedene Kaffeemaschinen gibt. Ich wusste auch nicht, dass es Wasserhähne für Euro 1800,- gibt, abgesehen davon sehen sie nicht so aus. Da schleichen wir uns doch ganz nachdenklich wieder auf unser Schiff zurück und kommen ein bisschen ins Grübeln.

Dann denke ich aber wieder daran, dass Peter und ich gesund sind im herkömmlichen Sinne, die beiden aber Krebs (sie) und einen Herzinfarkt (er) haben/hatten. Wir wünschen diesen beiden sehr sympathischen Leuten, dass sie ihr erarbeitetes Gut und das Leben hier geniessen können, wenn der Hausbau abgeschlossen ist und sie zur Ruhe gekommen sind. Hoffentlich bald.

Ansonsten kommen wir momentan leider nicht  dazu, viel am Schiff zu arbeiten, was wir dringend sollten. Es ist für Schleif-, Streich- und Lackierungsarbeiten einfach zu regnerisch. Hoffentlich wird das bald besser, sonst wird es stressig, weil dann alles auf einmal kommt. Das Unterwasserschiff sieht nach einem Jahr auch schon wieder so grauslig aus, dass wir wohl einen Lifttermin vereinbaren müssen.

In diesem Sinne